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Make or Buy? Meist ist die Antwort: Extend.

Bei Software fragen fast alle: selbst bauen oder kaufen? Dabei fehlt die Option, die meistens passt: die Standardsoftware behalten und um den einen Ablauf erweitern, der Sie besonders macht. Wo Kaufen reicht, wo Erweitern, wo Bauen, und woran Sie die Stelle erkennen.

, 10 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Buy: wo Standard richtig ist
  2. Wenn Buy zu weit geht
  3. Drei Zeichen, dass Sie sich verbiegen
  4. Extend: Standard behalten, Ablauf dazubauen
  5. Make: wenn der Ablauf das Produkt ist
  6. Die Entscheidung
  7. Häufige Fragen

Make or Buy, selbst bauen oder kaufen: So wird fast jede Softwareentscheidung im Mittelstand gestellt. Die Frage hat einen Haken. Sie kennt nur zwei Antworten, und beide kosten etwas, das in keinem Angebot steht.

Wer kauft, passt fast immer den eigenen Ablauf an das Tool an. Wer selbst baut, baut auch alles nach, was es längst gibt. Dazwischen liegt eine dritte Option, die in der Praxis am häufigsten passt: Extend. Die Standardsoftware bleibt, und der eine Ablauf, der Sie besonders macht, bekommt sein eigenes Stück Software dazu.

Make, Buy or Extend: was wohin gehört

Der Ablauf ist selbst das Produkt

Selten. Dann gibt es nichts, was man sinnvoll kaufen oder erweitern könnte.

Make

Selbst bauen, schmal anfangen.

Der Ablauf, mit dem Sie Kunden gewinnen und halten

Manchmal das Angebot, manchmal die Abwicklung, manchmal der Service danach. Meist genau einer.

Extend

Standard behalten, diesen Ablauf dazubauen.

  • Buchhaltung
  • Lohn
  • E-Mail
  • Zeiterfassung
  • Dokumentenablage
  • Reisekosten

Buy

Sie passen Ihren Ablauf an das Tool an. Das ist richtig so.

Buy: wo Standard richtig ist

Buchhaltung, Lohn, E-Mail, Zeiterfassung, Dokumentenablage: Damit unterscheidet sich kein Unternehmen von seinem Wettbewerber. Kein Kunde kommt zu Ihnen, weil Ihre Lohnabrechnung besonders ist. Hier ist es richtig, sich an das Tool anzupassen. Der Anbieter verfolgt Gesetzesänderungen, pflegt die Schnittstelle zum Steuerberater und verteilt die Kosten dafür auf viele Kunden. Wer hier selbst baut, bezahlt für etwas, das es schon gibt.

Die Faustregel aus Warum Individualsoftware? gilt: Deckt ein Standard-Tool 90 Prozent Ihrer Anforderungen ab, ist es meist günstiger, die restlichen 10 Prozent anzupassen, als neu zu bauen.

Die Regel hat eine Voraussetzung, die man leicht überliest. Sie gilt, solange die 10 Prozent nicht der Grund sind, warum Kunden bei Ihnen kaufen.

Wenn Buy zu weit geht

Nehmen Sie einen Hersteller von Sonderteilen mit 80 Mitarbeitenden. Ein erfundenes Beispiel, aber Sie kennen die Lage. Was ihn von der Konkurrenz unterscheidet, steht in keinem Prospekt: Wer anruft, hat am selben Tag eine Rückmeldung. Der Kunde weiß jederzeit, wo sein Auftrag steht, weil der Innendienst es ihm sagt. Und wenn etwas nicht in den Katalog passt, findet jemand eine Lösung.

Dann kommt das neue ERP. Gute Software, sauber eingeführt. Nur braucht jede Sonderanfertigung jetzt einen Artikelstamm, und den legt die Stammdatenstelle einmal pro Woche an. Die Rückmeldung wartet auf den Wochenlauf. Der Kunde sieht im Kundenportal einen Status, der nichts über seinen Auftrag sagt, also ruft er wieder an. Der Sonderfall, früher der Grund, warum er hier bestellt hat, ist jetzt ein Vorgang mit Wartezeit.

Derselbe Sonderauftrag, vor und nach dem ERP (erfundenes Beispiel)

Vorher

  1. Anruf
  2. Innendienst klärt
  3. Antwort am selben Tag

Der Sonderfall ist der Grund, warum der Kunde hier bestellt.

Mit dem ERP

  1. Anruf
  2. Artikelstamm im WochenlaufBis zu einer Woche Warten
  3. Zweiter AnrufPortal-Status ohne Aussage

Der Sonderfall ist jetzt ein Vorgang mit Wartezeit.

Zwei Jahre später läuft alles ordentlich. Der Hersteller arbeitet wie jeder andere, der dasselbe System nutzt. Genau das ist das Problem.

Die Lösung ist trotzdem nicht, das ERP abzulösen. Artikel, Buchungen und Rechnungen sind dort gut aufgehoben. Was fehlt, ist eine schmale Anwendung für die Sonderanfrage: Der Innendienst erfasst sie, klärt sie und antwortet am selben Tag, und erst wenn der Auftrag steht, legt die Anwendung den Artikel im ERP an. Das ERP bleibt, der Ablauf auch.

Drei Zeichen, dass Sie sich verbiegen

In jedem Unternehmen gibt es den einen Ablauf, mit dem es Kunden gewinnt und hält. Ob Sie genau diesen Ablauf an ein Tool angepasst haben, zeigen drei Zeichen.

Die Liste neben dem System. Jemand pflegt eine Excel-Datei, eine Tabelle in Teams oder einen Zettel an der Wand, weil das System eine Information nicht kennt, die für Ihre Kunden zählt. Die Liste ist kein Versäumnis der Mitarbeitenden. Sie ist der Ablauf, der im Tool keinen Platz gefunden hat.

Ein neuer Satz gegenüber Kunden. „Das geht bei uns so nicht.“ Hören Sie hin, ob Ihr Team das sagt, und ob es das vor dem Tool auch gesagt hat. Wenn nicht, hat das System eine Grenze gezogen, wo vorher Ihre Stärke lag.

Der Sonderfall als Ausnahme. Früher war der Sonderfall das Argument: Bei denen geht auch, was sonst keiner macht. Heute ist er eine Ausnahme im Ticketsystem, mit eigener Kategorie und eigener Wartezeit. Wenn Ihre besten Kunden vor allem Sonderfälle bestellen, erleben sie jetzt vor allem die Wartezeit.

Selbsttest: Welche Zeichen kennen Sie aus Ihrem Alltag?
0 von 3Ihr Kernablauf hat im Tool Platz. Schauen Sie wieder hin, wenn das nächste System kommt.

Wer eines davon wiedererkennt, muss das System nicht ablösen. Er weiß aber, an welcher Stelle es eine Erweiterung braucht.

Extend: Standard behalten, Ablauf dazubauen

Extend heißt: Die Standardsoftware bleibt das System, in dem die Daten liegen. Daneben läuft ein schmales Stück eigene Software für genau den einen Ablauf. Es liest und schreibt über die offizielle Schnittstelle, sodass der Anbieter sein Produkt weiter pflegt und Sie Ihren Ablauf behalten. Zwei Beispiele aus unserer Arbeit.

Ein Shop in sieben Sprachen, ohne Übersetzungsdienst davor. Bei LOULEX lief die Übersetzung über einen Dienst, der als Schicht vor dem Shop lag, für 299 € im Monat. Shopify selbst kannte die Übersetzungen nicht. Heute bleibt Shopify das System für alle Texte. Ein eigener Bot prüft stündlich, was fehlt, übersetzt gegen ein Glossar, kontrolliert Zahlen, Platzhalter und Markenbegriffe und schreibt das Ergebnis als native Shopify-Übersetzung zurück. Nebenbei sind sechs Apps rausgeflogen, ihre Funktionen laufen jetzt im Theme.

Buchhaltung, die bleibt, wo sie ist. Unsere eigenen Rechnungen, Angebote und Zahlungserinnerungen laufen über Lexware Office. Daran ändern wir nichts, es ist Standard und soll es bleiben. Dazugebaut haben wir eine Erweiterung, über die unser eigener Assistent Belege vorbereitet und Erinnerungen vorschlägt. Freigegeben wird von Hand, gebucht wird in Lexware. Den Kern davon haben wir als Open Source veröffentlicht.

Beide Male hat niemand ein System abgelöst. Und beide Male passt sich die Software an den Ablauf an, nicht umgekehrt.

Make: wenn der Ablauf das Produkt ist

Selbst bauen lohnt sich dort, wo es nichts gibt, das man sinnvoll erweitern könnte, weil der Ablauf selbst die Leistung ist. Diese Entscheidung haben wir für ein eigenes Unternehmen getroffen. die macher ist unsere Gründung in Metzingen: ein Ansprechpartner für Sanierung, Umbau und Ausbau, mit Betrieben aus einem festen Partnernetz. die macher berät, holt Angebote ein und hält das Projekt zusammen. Die Werkverträge laufen direkt zwischen Kunde und Betrieb.

Ein Ansprechpartner statt fünf. Kunde, Projektleitung und Betriebe sehen dasselbe Projekt, jeder seinen Teil. Hätten wir diesen Ablauf in ein gekauftes Projekttool gepresst, hätten wir genau das angepasst, wofür Kunden zu die macher kommen. Also haben wir ihn gebaut. Drei Dinge daran zeigen, was dabei anders wird.

Vom Telefon, auf der Baustelle. Ein Portal, das Handwerker nicht benutzen, ist keins. Deshalb ist der Weg für den Betrieb der kürzeste: Eintrag ins Telefon diktieren, zwei Fotos anhängen, fertig. Das Modell bringt den Text in Form, der Eintrag steht für alle Berechtigten im Projekt.

Bautagebuch im Portal von die macher: ein diktierter Eintrag mit Foto, darunter ein Eintrag mit zwei Fotos Bautagebuch mit diktiertem Eintrag und Fotos. Musterprojekt, keine Kundendaten.

Ein Satz statt zwanzig Felder. Wer ein Haus sanieren will, weiß selten, welche Gewerke er braucht. Deshalb beginnt die Anfrage nicht mit einem Formular, sondern mit einem Satz, getippt oder gesprochen. Claude zerlegt ihn in Gewerke, das Ergebnis wandert direkt in die Anfrage. Wer keine KI will, nimmt das Formular.

Startseite von diemacher.work: ein Satz beschreibt das Projekt, rechts das Gewerke-Netz mit markierten Gewerken Der KI-Einstieg auf der Startseite. Musterprojekt, keine Kundendaten.

Rechte, die der Arbeit folgen. Dieselbe Person kann in einem Projekt als Betrieb arbeiten und im nächsten selbst Kunde sein. Deshalb hängen Rechte an der Rolle im Projekt, nicht am Konto: Projektleitung, Kunde, Gewerk oder Beobachter. Ein Betrieb sieht nur seine eigenen Angebote, ein Beobachter liest mit, der Kunde entscheidet.

Projektübersicht im Portal aus Sicht des Kunden: offene Angebote, nächste Termine, Stand der Leistungen Dasselbe Projekt aus Sicht des Bauherrn: offene Angebote, nächste Termine, Stand der Leistungen. Musterprojekt, keine Kundendaten.

Auch hier ist nicht alles selbst gebaut. Buchhaltung, E-Mail und Kalender bleiben Standard. Gebaut ist nur, was die macher von anderen unterscheidet. Den ganzen Aufbau zeigt die Referenz zu die macher.

Die Entscheidung

Make or Buy ist also die falsche Frage. Es sind drei.

Wo sind Sie Standard? Dort kaufen Sie, passen sich an und sind froh darüber.

Wo ist Ihr Ablauf der Vorsprung, läuft aber auf Standard? Dort erweitern Sie. Das System bleibt, der Ablauf bekommt sein eigenes Stück Software daneben.

Ist der Ablauf selbst Ihr Produkt? Dann bauen Sie, schmal und mit allem, was Standard ist, weiterhin gekauft.

Buy, Extend oder Make im Vergleich

Buy

Abläufe, die in jedem Unternehmen gleich laufen

Zum Beispiel

Buchhaltung, Lohn, E‑Mail, Ablage

Wer passt sich an

Sie an das Tool

Was bleibt

Das Tool, gepflegt vom Anbieter

Extend

Der Ablauf, mit dem Sie Kunden gewinnen, auf einem Standardsystem

Zum Beispiel

Übersetzung im Shop, die Sonderanfrage neben dem ERP

Wer passt sich an

Die Erweiterung an Ihren Ablauf

Was bleibt

Das Standardsystem mit allen Daten, die Erweiterung redet mit ihm

Make

Der Ablauf ist selbst die Leistung, die Sie verkaufen

Zum Beispiel

Ein Portal, über das Kunde und Betriebe ein Projekt abwickeln

Wer passt sich an

Die Software an Ihren Ablauf

Was bleibt

Ihre eigene Anwendung, Standard für den Rest

Egal ob Extend oder Make: Bauen Sie nicht so, wie Software früher eingekauft wurde. Kein Lastenheft, das jeden Fall vorwegnimmt. Die erste Version geht nach Tagen an echte Leute, mit echten Daten. Was keiner anfasst, wird gestrichen. Was fehlt, zeigt sich im Gebrauch, nicht im Workshop.

Häufige Fragen

Was heißt Make or Buy bei Software?

Die Entscheidung, ob ein Unternehmen Software selbst entwickeln lässt (Make) oder fertige Standardsoftware kauft (Buy). In der Praxis fehlt oft die dritte Option: Standardsoftware kaufen und über ihre Schnittstellen um den einen Ablauf erweitern, der das Unternehmen besonders macht (Extend).

Standardsoftware oder Individualsoftware: was ist günstiger?

Für Abläufe, die in jedem Unternehmen gleich laufen, fast immer Standardsoftware. Der Anbieter verteilt Pflege und Gesetzesänderungen auf viele Kunden. Teurer wird Standard dort, wo Sie den Ablauf anpassen müssen, der Kunden hält. Dann ist eine Erweiterung meist günstiger als ein Neubau.

Muss ich mein ERP ablösen, um meinen Ablauf abzubilden?

Selten. Meist reicht eine schmale Anwendung für den einen Ablauf, die über Schnittstellen mit dem ERP redet. Artikel, Buchungen und Rechnungen bleiben, wo sie sind.

Woran erkenne ich, dass wir uns an ein Tool angepasst haben?

An drei Zeichen: eine Liste, die neben dem System gepflegt wird. Ein neuer Satz gegenüber Kunden wie „Das geht bei uns so nicht“. Und Sonderfälle, die früher das Argument waren und heute eine Wartezeit haben.

Wie schnell steht eine Erweiterung oder eigene Anwendung?

Im 10-Tage-Piloten entsteht eine erste Version mit Ihren echten Daten in zehn Arbeitstagen. Was danach fehlt, zeigt sich im Gebrauch, nicht in einem Lastenheft.

Schlagwörter: Make or Buy, Standardsoftware, Individualsoftware, Mittelstand, Geschäftsprozesse

Geschrieben von

Engineering & Produkt

Baut Software, die jeden Tag benutzt wird: Web-Apps, interne Systeme, KI-Pipelines und eigene Produkte. Stationen: Porsche-Projekte bei MHP, Forschung bei Mercedes-Benz, fachliche Leitung der Softwareentwicklung bei Advanced UniByte.

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30 Minuten per Video mit Kevin Ludwig, kostenlos. Sie schildern Ihr Vorhaben, danach wissen Sie, ob es passt und welcher Einstieg der richtige ist.

„Auf ihn ist einfach Verlass.“

Judith Hickel, Gloria Kollektiv e.V.

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